Liebe Leserinnen und Leser,
in dieser Woche gab es in der IT-Welt wieder einiges zu tun: Microsoft musste den April-Patchday nachbessern, die NIS2-Registrierungsfrist liegt offiziell hinter uns – und Cyberkriminelle haben Microsoft 365 weiter fest im Visier. Wir haben für Sie zusammengefasst, was Sie wissen müssen und – noch wichtiger – was Sie konkret tun sollten.
Top 1: Windows-Patchday April – ESU läuft, Server stolpern
Der April-Patchday hat es in sich. Microsoft hat für Windows 11 (KB5083769) und für Windows 10 22H2 im ESU-Programm (KB5082200) Sicherheitsupdates veröffentlicht. So weit, so normal – allerdings kam es nach der Installation auf einigen Windows Server-Systemen zu wiederholten, ungeplanten Neustarts, vor allem auf Domain Controllern. Microsoft hat deshalb kurzfristig Out-of-Band-Updates nachgeschoben.
Parallel dazu zeigt die Windows-Sicherheits-App ab dem 8. April erstmals den Status der neuen Secure-Boot-Zertifikate an. Hintergrund: Die ersten Zertifikate von Microsoft laufen im Juni 2026 ab – wer hier nicht handelt, riskiert, dass Geräte nach einem Update nicht mehr starten.
Was bedeutet das für Sie?
- Kleine Unternehmen mit eigenem Server: April-Updates erst auf einem Testsystem prüfen, dann ausrollen – und das Out-of-Band-Update nicht vergessen.
- Windows 10 nutzen Sie noch? Dann gehört die ESU-Anmeldung jetzt auf den Schreibtisch. Für Privatpersonen kostenlos (mit Microsoft-Konto), für Unternehmen rund 400 € pro Gerät für drei Jahre.
- Langfristig führt kein Weg an Windows 11 vorbei – wir empfehlen, die ESU-Phase als Übergangszeit für die Migration zu nutzen.
Top 2: NIS2-Frist abgelaufen – und jetzt?
Am 6. März 2026 endete offiziell die Frist zur NIS2-Registrierung beim BSI. Rund 30.000 Unternehmen in Deutschland sind betroffen – darunter auch viele Mittelständler, die das bisher gar nicht auf dem Schirm hatten. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Nur 12 % der Pflichtigen haben die Vorgaben bislang vollständig umgesetzt.
Die Anforderungen sind dabei kein Pappenstiel: Risikomanagement, Meldepflichten bei Sicherheitsvorfällen, regelmäßige Schulungen, dokumentierte Backup- und Recovery-Konzepte. Und die Geschäftsführung haftet persönlich. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 10 Millionen Euro oder 2 % des Jahresumsatzes.
Was bedeutet das für Sie?
- Prüfen Sie zuerst, ob Sie überhaupt unter NIS2 fallen – Branche, Mitarbeiterzahl und Lieferantenrolle entscheiden.
- Falls ja: Registrierung beim BSI nachholen, ein einfaches ISMS aufbauen und Meldewege festlegen.
- Auch wer formal nicht betroffen ist, profitiert: Viele Großkunden verlangen NIS2-konforme Lieferanten – das wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.
Tipp: Das BSI bietet mit dem CyberRisikoCheck ein kostenfreies Werkzeug, mit dem KMU ihren Sicherheitsstand schnell einschätzen können – ein guter Einstieg.
Top 3: Microsoft 365 unter Beschuss – Phishing trickst MFA aus
Die Sicherheitsforscher von Proofpoint warnen vor einer neuen Welle von Phishing-Angriffen, die gezielt den offiziellen Device-Code-Authorization-Prozess von Microsoft missbrauchen. Das Tückische: Die Angreifer nutzen legitime Microsoft-Infrastruktur – viele Schutzmechanismen greifen schlicht nicht.
Noch unangenehmer: Forscher haben eine Funktion in SharePoint Online und OneDrive entdeckt, mit der Ransomware Cloud-Dateien so verschlüsseln kann, dass eine Wiederherstellung ohne Lösegeld – oder sauberes Backup – kaum noch möglich ist. Die Annahme „Cloud = automatisch sicher" ist damit endgültig überholt.
Was bedeutet das für Sie?
- Multifaktor-Authentifizierung (MFA) bleibt Pflicht – aber sie reicht nicht mehr allein. Setzen Sie zusätzlich auf Conditional Access (z. B. Geräte- und Standort-Richtlinien).
- Mitarbeiter regelmäßig sensibilisieren: Auch echt aussehende Microsoft-Login-Codes können eine Falle sein.
- Microsoft 365 unbedingt mit einem unabhängigen Drittanbieter-Backup absichern – Microsoft selbst sichert Ihre Daten nicht im klassischen Sinne.
- 3-2-1-1-0-Regel beachten: 3 Kopien, 2 Medien, 1 extern, 1 unveränderlich, 0 Fehler beim Recovery-Test.
Quick News der Woche
- BSI & BfV warnen vor Signal-Phishing: Aktualisierte Warnung vor gezielten Angriffen über die Messenger-App – vor allem auf Führungskräfte. Verdächtige Kontaktanfragen prüfen, keine Codes weitergeben.
- Studie: Nur < 2 % der KMU optimal abgesichert. 83 % der Mittelständler kämpfen mit IT-Fachkräftemangel. Managed Services werden für viele alternativlos.
- Cyber-Erpressung boomt weiter: Der „Security Navigator 2026" zeigt: Die Zahl der Erpressungsfälle steigt weltweit – europäische Mittelständler stehen besonders im Fokus (+44 % in 2025).
- Office Zero-Day aktiv ausgenutzt: Eine kürzlich bekannt gewordene Lücke in Microsoft Office wird bereits aktiv missbraucht. Updates zeitnah einspielen!
- Ransomware-Realität: Laut aktueller Erhebung erhalten 64 % der zahlenden Opfer ihre Daten nicht (vollständig) zurück. Lösegeld zahlen ist also keine Lösung – Prävention ist alles.
💡 Fazit & Empfehlung
Diese Woche zeigt mal wieder: IT-Sicherheit ist kein Projekt, das man einmal abhakt – sie ist Daueraufgabe. Drei Dinge, die Sie jetzt unbedingt tun sollten:
✓ April-Updates auf allen Geräten und Servern installieren – Windows 10 nur noch mit ESU.
✓ NIS2-Status klären und – falls betroffen – die Registrierung umgehend nachholen.
✓ Microsoft 365 absichern mit MFA, Conditional Access und einem externen Backup.
Sie sind sich unsicher, ob Sie betroffen sind oder wie Sie starten sollen? Sprechen Sie uns an – wir prüfen gemeinsam mit Ihnen, wo Sie stehen und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
📚 Quellen
• Deskmodder: KB5083769 – Windows 11 Sicherheitsupdate April 2026
• Deskmodder: KB5082200 – Windows 10 22H2 ESU-Patch April 2026
• Deskmodder: Windows-Sicherheit App zeigt Boot-Zertifikat-Status
• heise online: Out-of-Band Update gegen ungeplante Server-Neustarts
• heise online: NIS2-Registrierungsfrist beim BSI – 29.000 Unternehmen betroffen
• heise online: BSI: CyberRisikoCheck für kleine Unternehmen
• heise online: BSI & BfV: Aktualisierte Warnung vor Signal-Phishing
• it-daily.net: Neue Angriffswelle auf Microsoft 365-Konten
• it-daily.net: SharePoint und OneDrive anfällig für Ransomware
• it-daily.net: Microsoft 365 im Fadenkreuz: So umgehen Hacker die MFA
• it-daily.net: Security Navigator 2026: Cyber-Erpressung boomt
• it-daily.net: So investieren KMU aktuell in IT-Sicherheit
• it-business.de: NIS2 ist Gesetz und keine Option
• silicon.de: Cybersicherheit im KMU-Sektor: Kaum ein Betrieb optimal aufgestellt
• silicon.de: Backup richtig gemacht: Die 3-2-1-Regel
© ITnavigator GmbH · Wochenrückblick KW 17/2026 · Stand: 24.04.2026
Patchday-Stress, NIS2-Frist verpasst und Microsoft 365 im Fadenkreuz